APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen

Denkfabrik für die Pflege

30 Jahre APD: „Wir machen alles, nur keinen stationären Bereich.“ Unternehmensgründer und Geschäftsführer Claudius Hasenau im Porträt.

Vor 30 Jahren gründete der Diplom-Verwaltungswirt Claudius Hasenau gemeinsam mit seiner Schwester die APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH. Mit seinem „Gesundheits- und Pflegedienst für ganz Gelsenkirchen“ war er damals einer von vielen, der die veränderten politischen Rahmenbedingungen in der Pflege nutzte. Drei Jahrzehnte später zählt das Unternehmen zu den größten privaten ambulanten Pflegediensten in Deutschland.  Aus dem ambulanten Pflegedienst APD ist mittlerweile die APD-Gruppe geworden. Sie fußt auf klassischen Pflegeleistungen wie der ambulanten Pflege, hauswirtschaftlicher Unterstützung, Menüservice und Tagespflege. Fast 500 Mitarbeitende, davon mehr als 50 Auszubildende, versorgen knapp unter 1.000 Patient:innen. Die APD begleitet Servicewohnen an mittlerweile fünf Standorten. 18 Demenz-Wohngemeinschaften und seit Dezember 2021 ein eigenes Hotel auf Teneriffa für „gepflegtes Reisen“ runden das Portfolio ab. Damit besetzt das Familienunternehmen mehr als 25 Prozent des Marktanteils in der Stadt und Region Gelsenkirchen. Wenn es nach Claudius Hasenau geht, ist das Ende der Reise noch lange nicht in Sicht: „Wir haben uns für Wachstum entschieden“, sagt der heute 56-Jährige in der APD-Zentrale am Margarethe-Zingler-Platz, einem Multikulti-Areal in der Gelsenkirchener Altstadt.

Chance ergriffen

In der Emscherstadt, die bei Städte-Bewertungen seit Jahren zuverlässig auf den letzten Plätzen landet, hat die APD-Gruppe um Claudius Hasenau die Funktion eines wirtschaftlichen Leuchtturms übernommen. Dazu baute der gebürtige Bochumer seine Unternehmenszentrale zu einer Art Think Tank für die Zukunft der Pflege um. Denkverbote gibt es hier nicht. 2018 berief er seine Ehefrau Anja Hasenau als zweite Gesellschafterin und Geschäftsführerin an die Spitze des Unternehmens. Im selben Jahr delegierte er die Verantwortung an drei junge Führungskräfte, zwei der drei Prokuristi:nnen kommen aus dem eigenen Hause.

Parallel sucht die APD nach neuen Leistungsträgern, die die Expansion vorantreiben. Durch eine Kooperation mit der Westfälischen Hochschule hat das Unternehmen seine Fühler erfolgreich in Richtung Wissenschaft und Forschung ausgestreckt. In den Seminarräumen im Herzen Gelsenkirchens tüfteln Projektgruppen, verstärkt durch externe Experten, ständig an Neuem. Und weil das noch nicht genug ist, stammen viele Impulse von Hasenau selbst. „Achtung, Idee vom Chef“ ist ein geflügeltes Wort im Unternehmen, über das Claudius Hasenau selbst gerne schmunzelt.

April 1993

Gründung APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH als privater ambulanter Pflegedienst in Gelsenkirchen. APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau gründet die kommunale Arbeitsgemeinschaft VSD – Verbund freier sozialer Dienste e. V.

Pflege? Nein, danke!

Hasenau wollte in jungen Jahren alles, nur nicht in der Pflege arbeiten. Als Sohn zweier Pflegefachkräfte wusste Claudius Hasenau nur zu gut um die Herausforderungen, die dieser Beruf dem Leben abverlangt. Der Dienstplan der Eltern bestimmte den Familienalltag. Hasenau entschied sich für eine Beamtenkarriere bei der Bundesknappschaft, studierte in Berlin, wurde Diplom-Verwaltungswirt und von seinen Vorgesetzten umworben. Hasenaus ältere Schwester Petra trat in die Fußstapfen der Eltern, machte 1976 ihr Examen als Krankenschwester und übernahm 1978 eine Pflegedienstleitung in der ambulanten Pflege.

2007

Claudius Hasenau ist Initiator und Gründungsvorstand des WG Fachverbandes wig – Wohnen in Gemeinschaft e. V.

Zeichen der Zeit erkannt

Als sich Anfang der 1990er die Einführung der Pflegeversicherung abzeichnete, erkannten beide die Zeichen der Zeit. Claudius und Petra taten sich 1993 zusammen. Die Verbindung aus kaufmännischer, sozialwissenschaftlicher Kompetenz und der Leidenschaft für gute Pflege gilt als einer der Erfolgsfaktoren für die Entwicklung der APD zur heutigen Größe.

Wenn Claudius Hasenau nach fast 30 Jahren an der Spitze auf die Entwicklung seines Unternehmens zurückblickt, spricht er viel über Bauchgefühl, Intuition und glückliche Zufälle. Dies ist jedoch nur die Hälfte der Geschichte, denn Claudius Hasenau ist auch ein Stratege, ein Marktkenner und ein sorgfältiger Beobachter der unternehmerischen Kennzahlen. Wie sehr er sich vor einer Entscheidung kundig macht, mag eine Anekdote verdeutlichen: 2006 dachte man bei der APD darüber nach, ein eigenes Pflegeheim zu bauen. Um wirklich zu verstehen, was in einer solchen Einrichtung vor sich geht, absolvierte Claudius Hasenau ein zweiwöchiges Pflege-Praktikum in einem Pflegeheim. Was er dort erlebte, fasst er bis heute in dem Satz zusammen: „Wir machen alles, nur keinen stationären Bereich.“ Begründung: Die Vorschriften im Heim schränken die persönliche Gestaltungsmöglichkeit des Einzelnen ein.

Vom „Spinner“ zum „WG-Pionier“

Am Abend zappte Hasenau in eine Talkshow. Er hört, wie Klaus Pawletko aus Berlin über ambulante Wohngemeinschaften spricht. Das familienähnliche Zusammenleben von Menschen mit Demenz in einem gemeinsamen Haushalt begeistert ihn. Als die APD für den Bau der ersten WG einen Kredit bei der Hausbank beantragt, wird Hasenau noch als „Spinner“ belächelt. Davon lässt sich die APD-Geschäftsführung nicht unterkriegen, knüpft Kontakte zu einer gemeinnützigen Stiftung und eröffnet „Leben am Rheinelbepark“, die ersten drei ambulant betreuten WGen für Menschen mit Demenz in Gelsenkirchen.

Damals beginnt das überdurchschnittliche WG-Wachstum der APD, das die Stadt Gelsenkirchen gleichzeitig zu einer „Stadt der Wohngemeinschaften“ mit heute 229 Plätzen in WGen werden ließ. Mit einem Marktanteil im Segment Wohngemeinschaften von 53 Prozent hat die APD ihre Marktdurchdringung in Gelsenkirchen vorangetrieben.

2008 gründete Claudius Hasenau als Gründungsvorstand den Fachverband wig Wohnen in Gemeinschaft e.V., der sich bis heute als bundesweit einziges Sprachrohr und Lobby für Pflegewohngemeinschaften und andere ambulante Wohnformen versteht. In dieser Zeit beginnt die enge Kooperation mit dem „Vincentz-Verlag“, der im Fachmagazin „Häusliche Pflege“ das Thema ambulanter Wohnformen konstruktiv begleitet. Zusammen mit dem Rechtsanwalt Dr. Lutz H. Michel schreibt Claudius Hasenau unter dem Titel „Richtig gründen – richtig gestalten – richtig begleiten – richtig finanzieren“ ein Handbuch über ambulant begleitete Wohngemeinschaften, das mittlerweile in der 3. Auflage im Vincentz Network erschienen ist. Vorläufiger Höhepunkt der Zusammenarbeit: der gemeinsame Bundeskongress Wohnen in Gemeinschaft, der 2022 zum dritten Mal in Berlin Entscheider und Kenner der Branche zusammenführt.

Oktober 2021

APD erhält EXPO Award „Betreiber des Jahres“

Kontinuierliche Verbesserung

Seit 1995 ist die kontinuierliche Verbesserung nach dem EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) fester Bestandteil der APD-Philosophie, z. B. durch regelmäßige Mitarbeiter- und Patientenbefragungen. Die Ergebnisse geben der Unternehmensentwicklung die Richtung vor: in der Tiefe genauso wie in der Ausdehnung. Wie erfolgreich EFQM umsetzt wird, belegt die Verleihung des Ludwig-Erhard-Preises in Bronze 2020. Die APD wurde als erstes Pflegeunternehmen ausgezeichnet.

E-Learning für morgen

Zu den aktuellsten Digitalisierungs-Projekten gehört die Einführung einer auf das Unternehmen zugeschnittenen Online-Schulungsplattform, auf der APD-Mitarbeitende in Zukunft am Bildschirm Fortbildungen absolvieren können. „Betriebliches Lernen muss viel stärker in den Problem- und Arbeitszusammenhang der Mitarbeitenden integriert werden, z. B. durch unsere neue Online-Lernplattform“, so Claudius Hasenau. Diese biete die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig zu lernen. Inhalte seien stets auf aktuellstem Stand und von jedem Endgerät zugänglich. Zu den Inhalten zählen z.B. Schulungsvideos über Rechtsänderungen und Prozessvideos über Abläufe bei der APD.

Advertorial

Gemeinsame Datenplattform

Seit mehr als 20 Jahren nutzt die APD-Gruppe modernste Branchensoftware zur Gewinnung ihrer Kennzahlen. Eine zentrale Rolle nimmt die Zusammenarbeit

Enge Zusammenarbeit: Claudius Hasenau (l.) und Thomas Müller, Steuerberater bei ETL ADMEDIO.

mit der ETL-Gruppe ein. Einige Steuerberatungskanzleien innerhalb der ETL-Gruppe haben sich nicht nur dem Heilberufesektor verschrieben, sondern sind rein und ausschließlich auf die Pflege spezialisiert. Auf dieser Grundlage arbeitet Thomas Müller, Steuerberater bei ETL ADMEDIO in Essen, seit 2012 eng mit der APD zusammen: „Über ein ETL-eigenes Online-Portal, eine Art Dropbox, tauschen wir seit zehn Jahren mit der APD sämtliche Daten aus. So können Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen und die detaillierte Kostenrechnung schnell, effizient und sicher zur betriebswirtschaftlichen Steuerung genutzt werden.“ Auch die Mitarbeitenden nutzen über die ETL-Software „e-Mitarbeiter“ eine Schnittstelle zum Online-Portal. Auf diese Weise rufen sie Gehaltsabrechnungen und andere entgeltrelevante Bescheide online ab, um diese privat abzuspeichern oder bei Bedarf selbst auszudrucken.“ Das Interesse, die Unternehmensprozesse durch digitale Lösungen ständig zu optimieren, sei bei der APD stark ausgeprägt, so der Essener Steuerexperte. Diese Bereitschaft, immer wieder innovative Technologien in das Unternehmen zu integrieren, sei eine der wichtigsten Grundlagen, um auch in Zukunft in der Pflegebranche ganz vorn mitzuspielen.

Immer einen Schritt voraus

Dem Wettbewerb immer einen Schritt voraus zu sein – diese Devise hat Claudius Hasenau schon vor Jahren an seine Leitungskräfte ausgegeben. Der Aufbau des jungen Führungsteams, die flachen Hierarchien der APD und die ständige Einladung an Mitarbeitende, sich an der Ausgestaltung des Unternehmens zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen, sind drei der Wettbewerbsvorteile, mit denen das Unternehmen bei der Neugewinnung von Leistungsträger:innen punkten will.

Damit es die APD in 30 Jahren aber überhaupt noch gibt, muss jedoch etwas anderes gelingen. „Der Fachkräftemangel stellt in unserer Branche eines der größten Zukunftsprobleme dar. Laut Bertelsmann-Stiftung wird bis 2030 in Gelsenkirchen jede fünfte Arbeitsstelle in der ambulanten Pflege nicht mehr besetzt werden können,“ sagt APD-Chef Claudius Hasenau. „Wir tun alles dafür, um uns in der Region als starke Arbeitgebermarke zu positionieren und strategische Allianzen zu bilden. Gleichzeitig haben wir unsere Ausbildungsaktivitäten maximiert. 58 unserer Mitarbeitenden sind Auszubildende. Wichtig zu wissen ist aber auch, dass Arbeitsplätze in ambulanten WGen bei Pflegekräften sehr beliebt sind. Die Bewerbungszahlen sind gut, die Fluktuation ist gering. Durch den hervorragenden Personalschlüssel können unsere Pflege- und Betreuungskräfte in den WGen das tun, was sie gelernt haben und was sie mit Freude erfüllt: gut pflegen und den Menschen nahe sein.“

Autorin: Susanne Schübel; Fachjournalistin, PR-Coach und Geschäftsführerin JournalistenBüro Herne GmbH

Foto: Uwe Jesiorkowski

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