Der Unternehmenswert: Wann lohnt der Verkauf?

von Rainer Berg und Ronald Richter

Über Jahrzehnte galt: Der Erlös aus dem Verkauf des Pflegedienstes sollte das Einkommen des bisherigen Inhabers im Alter wesentlich stützen. Ist diese Annahme noch zeitgemäß? Im Zentrum dieser Betrachtung steht daher der Unternehmenswert. Letztlich kann ein Gutachten den Wert für den Verkäufer und den Käufer bestimmen. Für eine erste Einschätzung reichen allerdings die nachstehenden Erwägungen.

Dass die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung für die Führung eines Pflegedienstes kaum einschätzbar ist, wie wir in Teil I beschrieben haben, macht eine Wertermittlung nicht leichter. Entscheidend ist letztlich, was ein potenzieller Kaufinteressent zu zahlen bereit ist. Vorab eine Klarstellung: Der Unternehmenswert nach der Marktwertmethode setzt sich aus einem Sub- stanzwert (identisch mit dem Eigenkapital) und dem Firmenwert (ideeller Wert) zusammen. Letzterer wird nachfolgend betrachtet.

Der allgemeine Marktwert eines Pflegedienstes leitet sich aus (möglichst vielen) bekannten durchgeführten Verkaufsvorgängen ab.

Der allgemeine Marktwert bezogen auf den Firmenwert ist eine Ableitung aus konkret vollzogenen entgeltlichen Übertragungen. Dabei werden sowohl Multiplikatoren bezogen auf den Monatsumsatz (Faktor 2 bis 6) als auch auf den Jahresüberschuss (Faktor 2 bis 5) gewichtet und kombiniert in eine vorerst mathematische Betrachtung einbezogen. Dabei ist anzumerken, dass zunehmend der Ertragsmultiplikator (gewichtet im Beispiel zu 80 Prozent) an Bedeutung gewinnt. Der Käufer wird nur einen Preis akzeptieren wollen, der für ihn refinanzierbar ist. Bei aktuell nachhaltig sinkenden Gewinnen hat dieser Bewertungsansatz (Gewichtung des Ertrages) eine erheblich preismindernde Auswirkung. Ein Vergleichs-Berechnungsbeispiel zum Firmenwert:

Legende: AV = Anlagevermögen; UVF = Umlaufvermögen (Forderungen aus Leistungen); UVL = Umlaufvermögen (liquide Mittel); EK = Eigenkapital; V = Div. Verbindlichkeiten; BS = Bilanzsumme

A) Umsatzrendite von 8% bezogen auf 720.000€ Jahresumsatz
M G
MU 60.000€ 4 240.000€ 20% 48.000€
Jüb 57.600€ 3,5 201.600€ 80% 161.280€
FW 209.280€
B) Umsatzrendite von 4% bezogen auf 720.000€ Jahresumsatz
M G
MU 60.000€ 4 240.000€ 20% 48.000€
Jüb 28.800€ 3,5 100.800€ 80% 80.460€
FW 128.640€

Danach beträgt der (mathematische) Firmenwert bei einer Rendite von 8 Prozent € 209.280,00, bei einer Rendite von 4 Prozent € 128.640,00. Die Renditewerte werden an dieser Stelle für den Vergleich unterstellt. Der Sachwert spiegelt sich letztlich im Eigenkapital (Differenz Vermögen/Schulden) wider. Ein Beispiel:

Aktiva Passiva
AV 50.000€ EK 175.000€
UVF 100.000€ V 30.000€
UVL 55.000€
BS 205.000€ BS 205.000€

Würde der bisherige Inhaber den Pflegedienst abwickeln, blieben € 175.000,00 (ohne Versteuern) übrig. Ausgangssachverhalt: Übergabe Einzelunternehmen.

Achtung Vertragsgestaltung: Die vorgetragenen Gewinne bzw. das Eigenkapital stehen wirtschaftlich dem Veräußerer neben dem Kaufpreis zu. Dies ist im Übertragungsvertrag auch zu regeln.

Die Übertragung wird Folgendes zu regeln haben:

  1. Kaufpreis für das notwendige Anlagevermögen (hier angenommen der Bilanzwert entspricht dem tatsächlichen Wert) € 50.000,00
  2. Firmenwert (im Bespiel bei einer Rendite von 4 Prozent: € 128.640,00 bzw. 8 Prozent: € 209.280,00)
  3. Herausnahme der Liquidität, Forderungen abzüglich Verbindlichkeiten (€ 100.000,00 + € 55.000,00 – € 30.000,00)

Zu beachten ist ergänzend die individuelle Besteuerung. Soweit zur Übertragung eines Einzelunternehmens. Bei Anteilsübertragungen einer GmbH empfiehlt sich wie folgt zu verfahren: Der bisherige Anteilseigner schüttet sämtliche Gewinnvorträge vor Anteilsübertragung aus, sodass lediglich das Stammkapital als Substanzwert verbleibt. Der Anteilskauf spiegelt sodann den Firmenwert im Sinne zu oben wider.

Maßnahmen

  • Mathematische Ermittlung des Firmenwertes

  • Einbeziehung der weichen Faktoren

  • Ermittlung des zu übertragenden notwendigen Anlagevermögens

  • Ermittlung der Vermögenswerte, die bei Betriebseinstellung ins Privatvermögen übergehen

  • Ermittlung der Steuerbelastung

Die Autoren

Prof. Ronald Richter ist Sozialrechtler und Inhaber von RichterRechtsanwälte in Hamburg

Rainer Berg ist Steuerberater und Inhaber der Berg Steuerberatungs mbH

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