Der Unternehmenswert: Wann lohnt der Kauf?

von Rainer Berg und Ronald Richter

Wie wichtig ist für den Erwerber eine Bewertung/ein Bewertungsgutachten des zu übernehmenden Pflegedienstes? Liegt doch die Beurteilung des Unternehmenswertes zumindest subjektiv oft weit auseinander. Eine relativ „neutrale“ überschlägige Einschätzung ist immerhin ein erster Ansatz. Eine solche lässt sich aus konkret abgewickelten Unternehmensverkäufen ableiten. Hieraus resultiert die Marktwertmethode. Aus der Sicht des Käufers ist zum einen seine subjektive Einschätzung des Wertes des Pflegedienstes und zum anderen die Finanzierbarkeit aus zukünftigen Jahresüberschüssen für seine Kaufentscheidung ausschlaggebend. Dabei spielen künftige Möglichkeiten zur Wirtschaftlichkeitssteigerung nach Betriebsübernahme eine Rolle. Dafür wird der Erwerber aber nicht bezahlen wollen, da die Maßnahmen selbst durchgeführt werden müssen.

Die zukünftige Gewinnerwartung ist entscheidend für die Unternehmensbewertung.

Konkret wird sich der Kaufinteressent selbst ein wirtschaftliches Bild über die Zukunft des zu übernehmenden Pflegedienstes machen müssen. Er wird die zukünftigen Jahresüberschüsse kritisch betrachten und planen. Dabei geht er wie folgt vor: Auf Basis der Ist-Kosten (1.) werden die Normal-Kosten (2.) ermittelt und hieraus die Plankosten (3.) geschätzt. Ebenso wird mit den Einnahmen (hier: Leistungen im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung genannt) verfahren.

Der Preis für den Unternehmenskauf muss in einer überschaubaren Zeit refinanzierbar sein.

  1. Aus der Buchführung werden die Ist-Kosten entnommen. Zu empfehlen ist die Auswertung eines gesamten Wirtschaftsjahres, weil die Kosten in diesem Fall periodengerecht zugerechnet sind.
  2. Außergewöhnliche Kosten bzw. Einnahmen werden herausgerechnet. Beispiele: Im Betrachtungsjahr entstandene außergewöhnlich hohe Werbekosten, Sonderabschreibungen wurden gebucht, ein außergewöhnlich teurer PKW wurde durch die Firma finanziert usw. Anderseits werden normalerweise entstehende Kosten hinzugerechnet.
  3. Die Kostenentwicklung für die Zukunft wird eingeschätzt. So ergeben sich die Plan-Kosten. Ebenso werden die zukünftigen Einnahmen (auch in Verbindung mit Preissteigerungen) geplant.

Praxis: Legen Sie eine dreispaltige Excel-Tabelle für das „Zahlenspiel“ an plus weiterer Spalte für Vermerke.

Der erste Schritt ist getan: Die zukünftigen Überschüsse sind kalkuliert. Der zweite Schritt ist die Berechnung der Tragfähigkeit der Finanzierung. Zu beachten: a) der Kaufpreis als solcher, b) die Betriebsmittel (Kostenvorfinanzierung für einen/zwei Monat/e), c) der Kapitaldienst (Ratenzahlungen an die finanzierende Bank).

Folgende Tabelle zeigt, welcher Preis bei welchen Annahmen refinanziert werden kann. Ist von einer zukünftigen Umsatzrendite (UR) von 4 Prozent auszugehen, wird der Erwerber einen Kaufpreis bezogen auf den Firmenwert von ca. max. € 120.000,00 (siehe Tabelle: € 128.640,00), bei 8 Prozent UR von max. € 200.000,00 (siehe Tabelle: € 209.280,00) akzeptieren. Ein Preis von ca. € 300.000,00 ist für den Erwerber unakzeptabel (im Beispiel mit einer Unterdeckung von € 16.919,90).

Preis Firmenwert 128,640,00€ 209.280,00€ 300.000,00€
Preis AV 50.000,00€ 50.000,00€ 50.000,00€
Anlaufkosten 60.000,00€ 60.000,00€ 60.000,00€
Summe Finanzbedarf 238.640,00€ 319.280,00€ 410.000,00€
Eigenmittel 20.000,00€ 20.000,00€ 20.000,00€
Kreditbedarf 218.640,00€ 299.280,00€ 390.000,00€
Zins 3,00% 3,00% 3,00%
Laufzeit in Jahren 10 10 10
Kapitaldienst pro Jahr 25.631,00€ 35.084,75€ 45.719,90€
Plangewinn 28.800,00€ 57.600,00€ 28.800,00€

Es bleibt nicht zuletzt für den Erwerber abzuwägen, ein Unternehmen käuflich zu erwerben oder alternativ selbst bei „0“ anzufangen, aber das ist ein anderes Thema.

Zusammenfassung

  • Ein zur Verhandlung anstehender Kaufpreis für den PD orientiert sich am Marktwert.

  • Der Erwerber wird für sich seine Obergrenze eines zu akzeptierenden Preises ableiten aus: 1. der zukünftigen Ertragslage und 2, einer tragbaren Finanzierung.

  • Die Alternative wäre, einen Pflegedienst slebst aufzubauen und bei „0“ anzufangen.

Die Autoren

Prof. Ronald Richter ist Sozialrechtler und Inhaber von RichterRechtsanwälte in Hamburg

Rainer Berg ist Steuerberater und Inhaber der Berg Steuerberatungs mbH

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